Jugendarbeitslosigkeit und lifelong learning

Mercredi 2 septembre 2020

Die Erfahrungen der vergangenen Finanzkrise zeigen, dass insbesondere für junge, nicht qualifizierte Arbeitssuchende die Krise eine Herausforderung sein wird. 2008-2009 löste die Finanzkrise in Europa einen konstanten Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit aus der 2014 seinen Höhepunkt erreichte und 2019 erst auf das Niveau von 2007 zurückgegangen ist.

Auch bei der aktuellen Krise zeichnet sich ein solcher Anstieg bereits an und wird in den nächsten Jahren weiter erwartet, wobei Luxemburgs Arbeitslosenquote für Jugendliche bereits an 5ter Stelle in der EU steht. Die jetzige Krise wird voraussichtlich jedoch schwerer ausfallen als die Finanzkrise von 2009 (vgl. OECD). Caritas Luxemburg fordert dringend Lösungen zu finden, wie unsere Gesellschaft diese anrollende Welle der Jugendarbeitslosigkeit abmildern könnte, denn Jugendarbeitslosigkeit von gering Qualifizierten führt direkt zur Armut von morgen.

In Luxemburg ist der Arbeitsmarkt vielerorts an Profile von Grenzgängern angepasst und Erwartungen an Bewerber sind konstant hoch. Oftmals fehlt die Bereitschaft der Arbeitgeber, einen Jugendlichen ohne Vorkenntnisse und mit wenig Erfahrung einzustellen, Mitarbeiter müssen sofort operationell sein. Insbesondere für niedrigqualifizierte Arbeitssuchende gibt es schon unter normalen Umständen zu wenig Arbeitsplätze, und sie werden umso stärker von der jetzigen Krise betroffen sein, so eine aktuelle Studie vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie in Berlin (August 2020). Dabei scheinen laut Studie eigene Berufserfahrungen am wenigsten bei niedrigqualifizierten Menschen die Chancen auf einen Arbeitsplatz zu erhöhen.

Im Arbeitsleben selbst stellt die Kompetenzentwicklung nach wie vor der Krise eine gesellschaftliche Herausforderung dar. So schleppt sich ein anfänglicher Kompetenzmangel aufgrund fehlender Begleitung und Weiterbildung des Arbeitnehmers oftmals über Jahre weiter mit.

Innovative und attraktivere Wege der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sind bereits vorhanden (Bsp.: CIE- contrat d’insertion à l‘emploi) aber angesichts der drohenden Welle weiterhin dringend nötig. Auch würde eine gezielte innerbetriebliche, berufliche Wissensvermittlung jungen Menschen allgemein mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen. Hier könnten beispielweise erfahrenere Mitarbeiter einen Beitrag leisten und unerfahrenere Arbeitnehmer in einem staatlichen Programm der Teilzeitrente einführen.

Im Konzept einer Teilzeitrente, nebst anderen Maßnahmen, könnten ältere Menschen so einen wertvollen Beitrag leisten zur Inklusion in unserer Gesellschaft.

Bisher gibt es praktisch – bis auf wenige Ausnahmen – nur die Möglichkeit Rente oder nicht. Ein gewisser Teil der Anwärter könnte sich aber sicherlich dafür entscheiden, allmählich bzw. früher in Rente zu gehen. Eine Halbtagstätigkeit bei gleichzeitigem Bezug einer halben Rente zum Beispiel, würde der Rentenkasse nur die Hälfte der Ausgaben abverlangen, gleichzeitig aber noch einen halben Beitrag als Einkommen ergeben.

Solche Modelle würden nicht nur dazu führen, Arbeitsplätze für junge Leute frei zu machen, sondern es ergäbe sich auch die Möglichkeit, den zukünftigen Stelleninhaber allmählich von seinem Teilzeit-arbeitenden Vorgänger einarbeiten zu lassen. Auf diese Weise könnten die am schwersten betroffenen gering Qualifizierten einen Weg in das Arbeitsleben finden, weil sie während einer gewissen Zeit fachlich angeleitet werden, anstatt dass man von ihnen gleich von Beginn an eine dem Job hundertprozentig oder vollumfänglich entsprechende Qualifikation fordert.

Ein solches Konzept wäre wohlwissend nur ein mögliches Element einer Strategie und somit nur komplementär zu weiteren Maßnahmen um der Jugendarbeitslosigkeit vor allem bei niedrigqualifizierten Arbeitssuchenden entgegenzuwirken. Gezielte Sensibilisierungsarbeit und Programme für Jugendliche mit geringen Bildungschancen ab Eintritt in die luxemburgischen Gymnasien, staatliche Förderprogramme für Ausbildungsplätze im Handwerk und die Schaffung von Berufsbildungswerken mit sozialerzieherischer Kapazität sind weitere Instrumente mit denen Jugendarbeitslosigkeit strukturell bekämpft werden könnte.

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